[Rezension] Die rote Halle

Story: „Bitte, schneide meine Schuhe ab, um mich von diesem Fluch zu befreien“, flehte die Arme, während sie an der Tür des Scharfrichters vorbeitanzte. Mit seiner Axt durchtrennte er die Riemen, doch die Schuhe blieben an ihren Füßen, und so flehte sie ihn in ihrer Verzweiflung an, ihr die Füße abzuhacken, damit die Quali ein Ende habe, und der Scharfrichter tat wie gesagt. Da tanzten die Schuhe mitsamt den Füßen allein weiter durch den Wald und über Berg und Tal davon. – Das Märchen von den roten Schuhen nach Clarissa P. Estés

Mit dem obigen Zitat aus das Märchen von den roten Schuhen beginnt das Buch „Die rote Halle“ von Karla Schmidt. Ich finde dieses Zitat war eine perfekte Wahl als Einleitung! So kann sich der Leser schon einmal darauf gefasst machen, was ihn im Buch erwartet.

Kostümbildnerin Janina Zöllner fliegt mit ihrem Sohn Simon nach Berlin, um an der Abschiedsinszenierung des Choreografen Josef Rost im stillgelegten Flughafen Tempelhof mitzuwirken. Der Tänzer Dave Warschauer ist ebenfalls engagiert. Janina hat den Vater ihres Sohnes seit 15 Jahren nicht gesehen, und obwohl er Janina nicht wiedererkennt, verliebt sie sich ebenso verzweifelt in ihn wie beim ersten Mal. Die Inszenierung gerät ins Stocken, als eine Tänzerin auf mysteriöse und brutale Weise stirbt. Als dann auch noch Simon verschwindet, begreift Janina, dass sie ihren Sohn nur retten kann, wenn sie selbst zur Täterin wird.

Ich kann direkt zu beginn sagen, dass mir das Buch wirklich gut gefallen hat. Jedoch nicht „sehr gut“, da mir persönlich der Anfang zu unzusammengehörig erschien, was jedoch von der Autorin so beabsichtigt ist. (Ich mag solche Anfänge nur bedingt.) Das Buch fängt mit dem Ende an. Und nach und nach, Kapitel für Kapitel, fangen die ganzen Puzzleteile an, ein Gesamtbild zu ergeben. Was ungefähr ab der Hälfte geschieht. Und genau da, wollte ich das Buch nicht mehr aus meinen Händen legen, so fesselnd wurde es. Die Autorin hat ein Hang, Horrorszenarien sehr detailliert zu beschreiben, was aufjedenfall nicht für jeden geeignet ist. Wer jedoch soetwas mag, kommt hier auf seine Kosten. Karla Schmidt zeigt auf fesselnde Weise, wie abstoßend und skurill die Welt des Theaters und ihrer Akteure sein kann. Und das nicht nur aufgrund der Schweinehäute als Bühnenkostüm….

Das Buch ist insgesamt einfach zu lesen und die Unterteilung der Kapitel in Daten macht es einfach, trotz Zeitsprünge, immer den Überblick zu bewahren. Bemerkenswert finde ich, dass der Flughafen, in dem die Geschichte abspielt, überwiegend der Wahrheit entspricht! Als ich das am Ende erfuhr, hatte ich große Lust mal einen kleinen Ausflug dorthin zu starten. 🙂

Wer „Das Kind auf der Treppe“ (ebenfalls von Karla Schmidt) mochte, wird „Die rote Halle“ lieben!
Vielen Dank an den Piper-Verlag für das Rezensions-Exemplar!

← Vorheriger Beitrag

Nächster Beitrag →

1 Kommentar

  1. „Das Kind auf der Treppe“ kenne ich, war jedoch eine Spur zu blutig für mich :emo06
    Ich glaub da wird „Die rote Halle“ auch nichts für mich sein… :emo52

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.